Socken wirken einschüchternd, weil sie Techniken enthalten, die in Schals und Mützen nicht vorkommen: Ferse formen, Spickelmaschen aufnehmen, die Spitze mit Maschenstich schließen. Jeder Abschnitt einer Socke ist für sich aber überschaubar. Die Schwierigkeit liegt darin, wie die Teile ineinandergreifen, nicht im Stricken selbst.
Eine klassische Socke vom Bündchen zur Spitze hat Bündchen, Schaft, Fersenwand, Fersenkäppchen, Spickel, Fußteil und Spitze. Toe-up-Socken nutzen dieselbe Fußanatomie in anderer Reihenfolge. Wenn du diese Teile kennst, wirkt jede Sockenanleitung weniger rätselhaft.
Die Teile einer Socke
Die meisten gut sitzenden Socken bestehen aus denselben Zonen, auch wenn sich die Konstruktion ändert:
Bündchen. Der obere Abschluss, meist im Rippenmuster, etwa 1 M rechts, 1 M links oder 2 M rechts, 2 M links, damit die Socke am Bein hält. Bei Sneakersocken oft 2,5-5 cm, bei längeren Socken mehr. Das Rippenmuster ist nicht nur Dekoration. Glatt rechts am oberen Rand würde sich einrollen.
Schaft. Vom Bündchen bis zur Ferse. Kann glatt rechts, gerippt oder gemustert sein. Die Länge reicht von fast nichts bei Sneakersocken bis über 15 cm. Muster wie Zöpfe, Lochmuster oder wandernde Maschen zeigen das Garn und unterbrechen die lange Strecke schlichter Runden.
Ferse. Der geformte Abschnitt um deine Ferse. Hier wird die Konstruktion interessant.
Spickel. Dreieckige Abschnitte an den Seiten des Fußes, die vom breiteren Fersenbereich zurück zum schmaleren Fußumfang führen. Nicht jede Fersenart nutzt einen Spickel. Bei Socken mit Fersenwand hilft er besonders über dem Spann, also dort, wo der Fuß am höchsten ist.
Fußteil. Der Schlauch über Sohle und Spann. Meist glatt rechts an der Sohle, mit fortgesetztem Muster auf dem Spann. Die Länge richtet sich nach dem Fußmaß, nicht nach einer beliebigen Rundenzahl. Miss oder probiere die Socke unterwegs an.
Spitze. Mit Abnahmen geformter Abschluss des Schlauchs. Oft mit Maschenstich (Kitchener Stitch), also einem unsichtbaren Zusammennähen offener Maschen, geschlossen. Eine einfachere Alternative ist eine zusammengezogene Spitze, bei der die letzten Maschen mit dem Arbeitsfaden geschlossen werden.
Vom Bündchen zur Spitze oder von der Spitze zum Bündchen
Zwei Strickrichtungen.
Vom Bündchen zur Spitze beginnt oben und arbeitet Richtung Zehen. Die traditionelle Methode. Maschen am Bündchen anschlagen, Schaft stricken, Ferse formen, Spickelmaschen aufnehmen, Fußteil stricken, Spitze formen und mit Maschenstich schließen.
Vorteile: gut dokumentierte Fersenkonstruktion, intuitive Richtung und ein verzeihender Bündchenanschlag. Ein Long-Tail-Anschlag mit einer etwas größeren Nadel funktioniert oft gut. Nachteile: Jeden Meter Garn auszunutzen ist schwieriger, weil die Spitze zuletzt kommt. Anprobieren hilft trotzdem, besonders nach Ferse und Spickel, aber wenn das Garn nahe an der Spitze ausgeht, lässt sich zusätzliche Länge nicht sauber ergänzen, ohne zurückzuribbeln.
Von der Spitze zum Bündchen beginnt an den Zehen und arbeitet nach oben. Maschen mit einer speziellen Methode anschlagen, Judy’s Magic Cast On ist ein Standard, Turkish Cast On ist nah verwandt. Danach Fußteil stricken, Ferse arbeiten, Schaft stricken und mit einem elastischen Abketten schließen, etwa Jeny’s Surprisingly Stretchy Bind Off oder einer genähten elastischen Variante.
Vorteile: Du kannst unterwegs anprobieren und das Garn fast vollständig nutzen, indem du den Schaft so lange strickst, bis es knapp wird. Die Spitze ist außerdem schon geschlossen, du musst am Ende nicht mit Maschenstich schließen. Nachteile: Toe-up-Fersen sind andere Techniken als Fersen vom Bündchen aus, der magische Anschlag braucht ein paar Versuche, und ein elastisches Abketten am Bündchen muss wirklich elastisch sein, sonst schneidet die Socke ein.
Keine Richtung ist besser. Die meisten probieren beide und wählen dann ihren Favoriten. Anleitungen legen die Richtung fest, und ein Wechsel bedeutet, die Ferse und den Anschlag neu zu planen. Praktisch heißt das meistens: lieber eine Anleitung wählen, die schon in der gewünschten Richtung geschrieben ist.
Fersenarten
Der Abschnitt mit der meisten Vielfalt und den stärksten Meinungen unter Sockenstrickenden.
Fersenwand und Spickel. Der Klassiker. Eine rechteckige Fersenwand wird über die Hälfte der Maschen in Reihen gestrickt, oft ungefähr so viele Reihen, wie Maschen in der Fersenwand liegen. Danach wird die Ferse mit verkürzten Reihen über die Unterseite geformt. An den Seiten der Fersenwand werden Maschen für den Spickel aufgenommen, und Spickelabnahmen führen über mehrere Runden zurück zum Fußumfang. Stabil, gut sitzend und leicht zu verstärken.
Die Fersenwand selbst wird häufig in einem Hebemaschenmuster gearbeitet: 1 M wie zum Linksstricken abheben, 1 M rechts, wiederholen. Die abgehobenen Maschen machen den Stoff genau dort dichter, wo Socken zuerst durchscheuern. Eine Variante ist Eye of Partridge, bei der die Hebemaschen versetzt werden.
Ferse mit verkürzten Reihen. Keine Fersenwand, kein Spickel. Die Form entsteht vollständig durch verkürzte Reihen, die eine Schale bilden. Schneller, in beide Richtungen nutzbar und mit weniger Maschenaufnahme. Die Passform ist anders: weniger Fersenabdeckung und eine flachere Schale. Füße mit hohem Spann finden diese Fersen manchmal zu eng.
Verkürzte Reihen gibt es wiederum in mehreren Techniken. Wickelmaschen sind traditionell, können aber sichtbar bleiben. Deutsche verkürzte Reihen ziehen die vorige Masche zur Doppelmasche hoch und wirken oft ordentlicher. Shadow Wraps und japanische verkürzte Reihen sind weitere Optionen. Die Technik ändert meist eher die Optik und das Handling als die Grundpassform.
Fish Lips Kiss Heel, nachträglich eingestrickte Ferse und andere. Es gibt viele Varianten. Eine nachträgliche Ferse wird zuletzt gearbeitet: Ein Kontrastfaden markiert die Fersenstelle, der Fuß wird gerade weitergestrickt, später wird der Kontrastfaden entfernt und die Ferse in die offenen Maschen gestrickt. Das ist praktisch bei selbststreifendem Garn, wenn die Streifen nicht durch eine Fersenwand unterbrochen werden sollen. Jede Variante sitzt etwas anders. Für das erste Paar ist Fersenwand mit Spickel am verzeihendsten und am besten dokumentiert.
Garn für Socken
Sockengarn ist eine eigene Kategorie. Typisch ist Fingering / Sockengarn, CYC-Kategorie 1, meist als Mischung aus Wolle und Nylon, etwa 75/25 oder 80/20. Wolle gibt Wärme, Elastizität und Weichheit. Nylon gibt Haltbarkeit an Ferse und Spitze, wo die Reibung am stärksten ist. Reine Wollsocken können schön sein, brauchen aber meist vorsichtigere Pflege und tragen sich schneller durch.
Fingering ist Standard, weil es einen dünnen, bequemen Stoff ergibt, der in Schuhe passt. DK oder Worsted ergeben dickere Socken, die größere Schuhe brauchen. Manche stricken dicke Haussocken aus Bulky-Garn, aber das ist eher Loungewear.
Superwash ist üblich, weil Socken ständig gewaschen werden und viele Strickerinnen Maschinenwäsche möchten. Nicht superwash-behandelte Wolle geht auch, braucht aber sanftere Pflege und mehr Aufmerksamkeit bei Wassertemperatur und Bewegung.
Handgefärbte und selbststreifende Garne verhalten sich anders als einfarbige Standardgarne. Handgefärbte Stränge können selbst innerhalb derselben Farbpartie leicht variieren. Wenn beide Socken möglichst gleich aussehen sollen, wechseln manche alle paar Runden zwischen zwei Strängen. Selbststreifendes Garn erzeugt Streifen von allein, aber beide Socken beginnen nur dann an derselben Stelle, wenn du den gleichen Punkt im Farbrapport findest.
Garnbedarf: Viele Erwachsenensocken aus Fingering / Sockengarn brauchen etwa 320-365 m. Die meisten Sockengarn-Knäuel oder Stränge enthalten etwa 365-400 m, also reicht eins oft für ein Paar mit etwas Reserve. Große Füße, lange Schäfte, Zöpfe und dichte Farbmuster fressen diese Reserve aber schnell auf. Prüfe deshalb den Garnbedarf der Anleitung, bevor du dich auf ein einzelnes Knäuel verlässt.
Nadeln für Socken
Socken sind kleine Schläuche. Du brauchst ein Nadelspiel mit 4 oder 5 Nadeln, eine lange Rundstricknadel für Magic Loop oder zwei kurze Rundstricknadeln. Jede Methode funktioniert, aber jede fühlt sich anders an.
Beim Nadelspiel liegen die Maschen auf drei oder vier Nadeln, mit der vierten oder fünften wird gestrickt. Das ist klassisch und rhythmisch, kann aber in Taschen und auf dem Sofa pieksen.
Magic Loop nutzt eine lange Rundstricknadel, meist mindestens 80 cm. Das Kabel wird zwischen den Maschen herausgezogen, sodass die Socke in zwei Hälften geteilt ist. Du hast nur eine Nadel im Projekt, musst aber auf Leitern an den Übergängen achten.
Zwei Rundstricknadeln sind ein Mittelweg: eine Nadel hält die Vorderseite, die andere die Rückseite. Weniger Nadeljonglage als beim Nadelspiel, weniger Kabelmanagement als bei Magic Loop.
Übliche Nadelstärke für Fingering-Sockengarn: 2,25-3,25 mm (US 1-3), je nach Maschenprobe. Strick eine Maschenprobe, um deine Stärke zu finden. Sockengewebe sollte dichter sein als normales glatt rechts, weil Socken Reibung und Körpergewicht aushalten. Viele Fingering-Socken liegen ungefähr bei 28-36 Maschen auf 10 cm, aber die Anleitung ist maßgeblich.
Was du vorher können solltest
Socken bringen mehrere Techniken zusammen:
- In Runden stricken mit Nadelspiel oder Magic Loop
- Rippenmuster fürs Bündchen
- Fersenkonstruktion mit verkürzten Reihen oder Fersenwand
- Maschen aufnehmen für den Spickel, erklärt im Aufnahme-Leitfaden
- Abnahmen für die Spitze, etwa 2 M rechts zusammenstricken und ssk
- Maschenstich zum Schließen der Spitze, oder eine zusammengezogene Spitze als einfachere Option
Wenn du eine Mütze in Runden gestrickt hast und einfache Abnahmen kannst, hast du den Großteil schon. Die Ferse ist neu. Beim ersten Mal lohnt sich ein Video, weil schriftliche Fersenanweisungen schwer zu lesen sein können, bevor du die Bewegung gesehen hast. Die verkürzten Reihen oder Fersenkäppchen-Reihen sind der Punkt, an dem viele beim ersten Sockenpaar hängen bleiben.
Größe und Passform
Miss den Fußumfang an der breitesten Stelle, meist am Ballen kurz hinter den Zehen. Miss außerdem die Fußlänge von der hinteren Ferse bis zur Spitze des längsten Zehs. Die meisten Sockenanleitungen geben fertige Sockenumfänge an und lassen dich nach dem Fußumfang wählen.
Der fertige Sockenumfang ist normalerweise kleiner als der Fußumfang. Diese negative Mehrweite liegt bei einer schlichten, elastischen Socke oft um 10 %. Der Stoff soll den Fuß umschließen, damit die Socke nicht rutscht. Eine Socke mit exakt demselben Umfang wie der Fuß kann im Schuh Falten werfen. Eine zu kleine Socke zieht an Zehen und Ferse und nutzt sich schneller ab.
Die Fußlänge hängt von der Spitzenform ab. Bei vielen Bandspitzen beginnt die Spitzenabnahme etwa 5 cm vor der gewünschten fertigen Fußlänge. Probiere die Socke an oder vergleiche sie mit einer gut passenden Socke, bevor du die Spitze beginnst.
Second Sock Syndrome
Das häufigste Sockenstrick-Erlebnis: Die erste Socke ist fertig, und die Motivation für die zweite verschwindet. Die erste war ein Abenteuer. Die zweite ist Arbeit.
Manche lösen das mit Two-at-a-time, also zwei Socken gleichzeitig auf zwei Rundstricknadeln oder mit Magic Loop. Andere stricken einfach weiter. Für die Psychologie gibt es keine echte Reparatur, aber es hilft, wenn du weißt, dass es kommen kann. Ein praktischer Trick: die zweite Socke noch am selben Abend anschlagen, an dem die erste fertig wird, statt die erste allein in den Projektkorb zu legen.
FAQ
Sind Socken schwer zu stricken?
Die einzelnen Techniken nicht. Die Ferse verlangt beim ersten Mal sorgfältiges Folgen der Anleitung. Nach einem Paar wird sie Routine. Viele empfinden Socken als meditativ, sobald die Struktur im Kopf sitzt.
Kann ich Socken auf geraden Nadeln stricken?
Nicht wirklich. Socken sind Schläuche. Du könntest flache Teile stricken und zusammennähen, aber die Nähte ergeben unbequeme Erhebungen innen. Rundstricken ist klar zu empfehlen.
Woher weiß ich, welche Größe ich stricken soll?
Miss den Fußumfang an der breitesten Stelle, am Ballen. Der fertige Socken sollte etwa 10 % kleiner sein, weil der Stoff sich dehnt und am Fuß anliegt. Die meisten Anleitungen geben Größen nach diesem Maß an. Wenn du zwischen zwei Größen liegst, wähle kleiner für eine engere Passform oder größer, wenn deine Füße im Lauf des Tages anschwellen.
Meine Socken laufen an der Ferse durch.
Verstärke die Fersenwand mit einem Hebemaschenmuster, zum Beispiel auf rechten Reihen jede zweite Masche abheben und auf Rückreihen normal links stricken. Dadurch liegt mehr Garn an der Oberfläche. Manche führen zusätzlich einen Beilauffaden durch den Fersenbereich mit. Es gibt auch spezielle Nylon-Verstärkungsfäden in passenden Farben.
Was mache ich, wenn das Garn vor der Spitze ausgeht? Bei Socken vom Bündchen zur Spitze ist das der ungünstigste Zeitpunkt. Du kannst zurückribbeln und den Schaft kürzen, die Spitze in einer Kontrastfarbe stricken oder akzeptieren, dass die Socke etwas kürzer wird. Toe-up vermeidet dieses Problem, weil der Schaft zuletzt kommt und du aufhören kannst, sobald das Garn knapp wird.
Müssen beide Socken exakt gleich aussehen? Nein. Geschwister-Socken, also gleiches Muster mit unterschiedlicher Farbreihenfolge aus handgefärbtem oder buntem Garn, sind völlig normal. Manche mögen sie sogar lieber, als den Farbrapport zwanghaft abzugleichen. Exaktes Matching ist Geschmackssache, keine Regel.